Kleines Plastik – Großes Problem 

Dass unsere Erde ein Plastikproblem hat, ist schon längst kein Geheimnis mehr. Bilder von riesigen Plastikinseln in den Ozeanen machen es uns Deutschen immer schwerer, nach dem Prinzip „aus den Augen, aus dem Sinn“ zu leben. Glücklicherweise wird es immer einfacher, sich für Alternativen zu entscheiden. 

Mikroplastik im Ozean

Aber ganz von vorn: Netze, Flaschen, Verpackungen und anderer Plastikmüll im Meer stellen nicht nur für größere Meeresbewohner ein Problem dar, die sich darin verheddern oder es mit Nahrung verwechseln. Praktisch unbemerkt und über einen langen Zeitraum zerfällt der Kunststoff nämlich in immer kleinere Teile. Dies geschieht vor allem dann, wenn sich Muscheln am Plastik anlagern und es so schwer wird, dass es zu Boden sinkt. Ab einem Durchmesser von unter 5 Millimetern nennt man diese Teilchen dann Mikroplastik – doch hier ist noch lange kein Ende in Sicht, der Prozess geht immer weiter. 

Kleinste Teilchen mit viel Chemie

Desto kleiner die Partikel, desto größer die Problematik: bisher gibt es nur wenige Filtersysteme, die diese Kleinstteilchen überhaupt herausfiltern können. So gelangt das Mikro- und Nanoplastik in Flüsse, Seen und ins heimische Grundwasser. Außerdem werden chemische Stoffe aus dem Kunststoff gelöst, wie zum Beispiel Weichmacher, die im Körper noch nicht ausreichend erforschte Reaktionen auslösen können. Andersrum ziehen die Plastikteilchen Giftstoffe aus dem Wasser aufgrund ihrer Oberfläche an, welche wir auch durch den Verzehr von Meerestieren oder Meersalz mit aufnehmen. Besonders kleine Teilchen können durch die Blutbahn sogar bis ins Gehirn gelangen und dort eventuell Schäden anrichten. 

Diese Fotos wurden 2010 an einem Strand in Malaysia gemacht. Mittlerweile ist dort vermutlich deutlich mehr Plastik zu finden.

Gib Vorfahrt – statt Gummi 

Doch auch wenn der Ozean von den meisten Deutschen weit entfernt ist, haben auch wir tagtäglich eine große Verantwortung. Fakt ist nämlich: Der Abrieb von Autoreifen stellt den größten Anteil am Plastik in der Umwelt dar. Eine simple wie auch effektive Lösung: vorausschauend fahren. Ein rasanter Fahrstil, starkes Beschleunigen und anschließendes Abbremsen sorgen für deutlich mehr Reifenabrieb, welcher schnell durch den Regen in Gewässern oder sogar im Grundwasser landet. Eine Möglichkeit wäre auch, die Reifen regelmäßig runderneuern zu lassen statt sie neu zu kaufen. Ganz generelle Alternativen zum Autofahren gibt’s hier. Es gibt jedoch noch eine Vielzahl an weiteren Plastikquellen in Haushalt und Arbeit, die auch für uns anfangs gar nicht so leicht zu entdecken und beseitigen waren. Da hilft es, sich erst einmal über die größten Verursacher bewusst zu werden – unsere Story soll hier weiterhelfen. 

Kleinvieh macht auch Mist 

Gerade mal ein paar Zentimeter klein, aber voller Stoffe, die nicht in die Natur gehören: die Rede ist von Kaugummi, Zigarettenstummeln und Co. Besonders Kippen enthalten nicht nur Plastikpartikel, sondern auch unzählige Giftstoffe. Dabei braucht es oft nur einen Regenschauer, um die Überbleibsel in die Kanalisation zu schwemmen. Je nach Abwassersystem der Stadt wird das Regenwasser sogar direkt in Seen und Flüsse geleitet, wo die Zigarettenfilter ihre Chemikalien an das Wasser abgeben. Untersuchungen haben gezeigt: 40 bis 60 Liter Wasser werden von einem Stummel verunreinigt. 

Die Lösung ist ganz einfach: Bubble Gum im nächsten Mülleimer entsorgen oder in ein Taschentuch gewickelt wieder mit heim nehmen. Mit heißen Kippen geht letzteres schlecht, hierfür eignet sich eine leere Bonbondose in der Jackentasche, die daheim in den Restmüll ausgeleert wird. Aber auch Glitzer, Konfetti und Luftballons werden nach Hochzeiten und anderen Festen gern einfach in Wiesen und Wäldern liegen gelassen. Und was ist herkömmlicher Glitzer? Leider Mikroplastik in reinster Form. Wer trotzdem nicht auf die funkelnden Dekorationen verzichten möchte, greift zu biologisch abbaubarem Glitzer. Wir zum Beispiel lieben „Birkenspanner“ ! 

Gut zu wissen

In Deutschland entsteht  durch folgende Quellen pro Kopf und Jahr Mikroplastik, welches in die Umwelt gelangt:

 

  • Abrieb Reifen:                                                                                 1228, 5 g

 

    • Freisetzung bei der Abfallentsorgung:                                          302,8 g

 

    • Abrieb Schuhsohlen:                                                                          109 g

 

    • Faserabrieb bei der Textilwäsche:                                                     76 g

 

  • Inhalt Mikroplastik in der Kosmetik:                                                 19 g

Auch wenn Plastik sehr schön aussehen kann, sollte es jedoch nicht als Kleidung, in welcher Form auch immer, direkt auf der Haut getragen werden.

Polyester & Co. 

Apropos schick: Wer kennt es nicht – das Lieblings-Oberteil oder der kuschelige Winterpulli sieht von Waschgang zu Waschgang schlechter aus. Die Folge ist lästiges Pilling und immer dünner werdender Stoff. Generell gilt, dass man die Lebensdauer der Stücke oft schon durch schonendes, kurzes Waschen bei möglichst niedrigen Temperaturen verlängern kann. So verringert man nebenbei noch die Menge an Plastikfasern aus Polyester- oder Acryl-Kleidung, welche ungehindert durch die Abwasserleitungen in die Kläranlage gelangen. Auch dort wird übrigens nicht alles herausgefiltert. Wer die Fasern schon in der Waschmaschine abfangen möchte, kann sich Waschbeutel wie zum Beispiel von guppyfriend zulegen und Fleecejacken etc. darin waschen. Am allerbesten ist es jedoch, direkt Naturfasen wie Baumwolle zu kaufen. Schon vorhandene Kleidung aus speziellen Stoffen wie zum Beispiel Outdoorbekleidung sollte möglichst lange verwendet werden, also auch repariert, verkauft oder verschenkt. Manche Outdoor-Firmen nehmen gebrauchte Kleidung auch zurück und recyceln diese. Firmen wie Vaude bieten aber mittlerweile auch Jacken aus natürlichem Plastikfaserersatz oder recyceltem Meeresplastik an – durchaus ein sinnvoller Ansatz. 

Auch im Haushalt unsichtbares Mikroplastik 

Abgesehen vom Waschen lösen sich auch beim Spülen Kunststoffpartikel – nicht nur von Plastikgeschirr und – Flaschen, sondern besonders auch von Spülschwämmen und Mikrofasertüchern. Die einfachste Alternative hierfür sind wiederverwendbare Spüllappen aus Naturfasern, die man einfach mit den Handtüchern in die Waschmaschine geben kann. Das gesundheitliche Risiko, die Stoffe aufzunehmen, verringert sich auch durch das Ersetzen von Kunststoff-Schneidebrettern durch Bambusbretter. Jeder, der schon einmal Gemüse auf einer Plastikunterlage geschnitten hat, kennt die Abnutzungen des Brettes mit der Zeit. Und all die abgeschnittenen Partikel landen schließlich in unserer Nahrung… 

Wie, da soll Plastik drin sein? 

Aber nicht nur in der Küche, sondern auch im Badezimmer kommen wir mit Plastik in direkten Kontakt. Dass Körper- und Gesichtspeelings oft aus kleinen Plastikkügelchen bestehen, ist schon eher bekannt. Doch dass auch andere Kosmetika Plastik in unterschiedlichster Form enthalten, selbst Zahnpasta oder Rasiergel, lässt sich leider nur durch einen Check der Inhaltsstoffe erkennen. Ein schneller Blick ins Internet zeigt Listen voll mit Synonymen für verschiedene Kunststoffe, ansonsten gibt auch die App „Codecheck“ Auskunft. Denn als Verbraucher ist Vorsicht geboten – Hersteller eines Produktes versprechen zum Beispiel „No Plastic“, mit einem schnellen Blick auf die Rückseite erkennt man dann aber „Acrylates Copolymer“, ein Synonym. Vor solchen Inhaltsstoffen geschützt ist man mit zertifizierter Naturkosmetik, zum Beispiel von Pure Skin Food. Am besten bleibt einfach immer noch das gute alte Stück Seife, was es heutzutage in vielen Varianten auch für Haare oder Gesicht gibt. Wer mag, kann Bodylotion, Reinigungsmittel und so weiter auch selber daheim herstellen sowie im Unverpackt-Laden selber abfüllen. Mit Freunden oder der Familie zusammen macht das ganze sogar richtig Spaß und hilft, auch andere von plastikfreien Drogerieartikeln zu überzeugen. 

Wer hätte das gewusst? 

Zum Abschluss noch zwei Plastikquellen, die man kaum vermutet. Interessant besonders für Sportler: ein großer Teil des Mikroplastiks in der Natur stammt tatsächlich von Kunstrasenplätzen, wie beim Fußball. Hierbei ist das Problem jedoch weniger der Plastikrasen an sich, sondern ein spezielles Gummigranulat, welches zwischen die Halme geschüttet und wie Erde eingesetzt wird. Durch Wind und Wetter sowie an der Kleidung der Sportler gelangt es in die Umwelt. Doch es tut sich etwas: verschiedene Unternehmen entwickeln Alternativen, beispielsweise aus Kork. Und wer demnächst sein Haus neu streichen möchte, kann beim Kauf der Farben oder Lacke Produkte mit dem „Blauen Engel“-Siegel wählen. Diese sind auch häufig allergikerfreundlich und enthalten keine Konservierungsstoffe. Solche Farben gibt es zum Beispiel beim Obi.

Abschließend kann man sagen, dass es generell sehr nachhaltig ist, Dinge immer wieder zu verwenden – wir setzen das im Creativhotel beispielsweise bei unseren Upcyclingprojekten um. Auch beim Kauf achten wir stets darauf, langlebige Produkte zu erwerben. In der Fachsprache heißt das dann Kreislaufwirtschaft und schont Geldbeutel und Umwelt. 

Diese Flut an mikroplastikhaltigen Alltagsgegenständen scheint einen im ersten Moment fast zu erdrücken. Doch wie immer gilt: nobody is perfect! Jeder Schritt in die richtige Richtung zählt, egal wie klein er wirken mag. Und wenn einmal der erste Anfang geschafft ist, läuft es fast wie von selber weiter. 

Fun fact: in Austern aus dem Meer ist besonders viel Mikroplastik enthalten. Wer also das Meer von Plastik befreien möchte, muss einfach nur viele Austern essen! 

Dont’s

  • Zigaretten 
  • Kaugummi 
  • Glitzer 
  • Konfetti 
  • Luftballons 
  • Polyesterkleidung 
  • Viele Kleidung 
  • Plastikbecher 
  • Spüllappen 
  • Kunststoff-Schneidebrett 
  • Peeling 
  • Markenshampoo 
  • Bodylotion in Plastik 
  • Kunstrasen 

Dos

top